Surfboards made in Austria – Paulsen Surf Garage

Paul von Paulsen Surf Garage fertigt in seiner Garage Surfboards. Was aus der Not gedrungen anfing, wurde vom Hobby zur Passion. Es hat nicht lange gedauert, bis sich Pauls Idee regional rumsprach und er neben seinen Shapes auch erste Reparaturaufträge bekam. Im echten Leben ist der Österreicher eigentlich Flugzeugtechniker. Im Gespräch mit Local-Surf hat uns Paul in die Welt der handgemachten Surfboards eingeführt. Es geht sowohl um das Handwerk, als auch um die Entwicklung seiner Idee. Vom Gedankenspiel bis zur Marke. Paul nimmt uns mit und spricht über seine Lieblingsspots und die Entwicklungen in der Welt des Surfens.

Wie kamst du auf die Idee, Surfboards herzustellen?
Als ich vor fünf Jahren das erste Mal auf Fuerteventura surfen war, kam ich so beeindruckt zurück, dass ich es gleich wiederholen musste. Danach setze die Surfdepression ein. Ich wusste nicht wann und wo ich das nächste Mal zum Surfen komme, beziehungsweise wie ich den Sport sonst noch so ausüben könnte. Eine Dokumentation über den Eisbach hat mich dann auf das Thema stehenden Wellen und indoor Surfen aufmerksam gemacht und ich wusste, dass ich das Ausprobieren musste.  

Paul von Paulsen Surf Garage.

Natürlich war für ein eigens Surfboard keine Kohle da. Nachdem ich das Internet nach Surfboards durchsucht habe, stolperte ich über ein DIY-Projekt und war davon total angetan. Durch meinen Job als Flugzeugtechniker war das handwerkliche Arbeiten immer ein positiver Begleiter. Als ich dann alle Materialen zusammen hatte und unzählige Bücher sowie Blogs gelesen hatte, war das erste Surfboard relativ schnell gebaut. Das Shapen habe ich mir also selbst beigegebracht. Während eines Surftrips nach Indonesien konnte ich dann noch zwei Wochen bei einem Shaper Erfahrungen sammeln und mich zusätzlich weiterentwickeln.

Das Herzstück: Pauls Surf Garage
Das Herzstück: Pauls Surf Garage

Was zeichnet deine Surfboards aus?
Sie sind einzigartig. Personalisiert in Design und Shape. Natürlich ist alles handgemacht.  Shapes kann es auch zweimal geben, aber immer auf den jeweiligen Surfer zugeschnitten. Die Designs hingegen sind einzigartig und ich bin immer für individuelle Wünsche offen. Bei mir gibt es keine Surfboards von der Stange, denn Jedes wird von Hand gemacht, keine CNC-Fräse, keine Serienfertigung. Die Wahl der Materialien spielt eine ganz zentrale Rolle beim Shapen. Und ich sag dir, dass ist oft nicht einfach. Wer billig kauft, kauft zweimal. Diese Erfahrung habe ich leider auch schon gemacht. Deswegen setze ich vor allem auf Qualität und Regionalität. Ich suche immer zuerst nach regionalen Lieferanten, auch wenn ich vor Ort manchmal leider nicht das richtige finde.

Jedes Surfboard wird so gebaut, als wäre es mein eigenes und ich bleibe steht’s mein kritischster Kunde. Ich baue zu jedem Board eine Beziehung auf und möchte sie am liebsten alle behalten. Spaß bei Seite, am glücklichsten bin ich, wenn das Brett seinem neuen Eigentümer ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Mit jedem Board und jedem Kunden lerne ich dazu. Darauf wird immer aufgebaut und ich bin natürlich auch immer offen für neue Denkansätze und Ideen.

Die Paulsen Surf Garage von innen

Ist das Shapen noch ein Hobby oder schon Beruf?
Dem Aufwand und der investierten Zeit nach, wird das Shapen immer mehr zum Beruf. Vor kurzem habe ich meinen berufsbegleitenden Bachelor abgeschlossen. Zum Glück ist das Studium vorbei, denn jetzt investiere ich jede freie Minute in die Paulsen Surf Garage.

Da das Interesse an meiner Garage in letzter Zeit immer mehr zunimmt und ich mit den Aufträgen kaum noch hinterherkomme, habe ich im Februar meine Vollzeitstelle als Flugzeugtechniker auf Teilzeit reduziert. Mir macht das Shapen und die Selbstständigkeit eine Menge Spaß. Die positive Entwicklung ist eine tolle Bestätigung für meine Arbeit. Ich wäre mehr als glücklich, wenn ich mich eines Tages nur auf Paulsen Surf Garage konzentrieren könnte.

Du hast deine Garage angesprochen. Wie und wo fertigst du die Surfboards?
Genau, die Garage ist der Dreh- und Angelpunkt. Daher auch der Name. Ich habe das Glück, eine 80 Quadratmeter große Garage mein eigen nennen zu können. Mittlerweile ist sie so eingerichtet, dass ich dort ohne Einschränkungen arbeiten kann. Es hängt viel Herz an dieser Garage. Ich habe nahezu alles selbst gebaut und eingerichtet. Die Garage ist zum Herzstück meiner Boards geworden. In meinem Viertel ist die Paulsen Surf Garage mittlerweile auch ein Treffpunkt für Surfaddicteds und Freunde geworden. Gekühltes Bier steht immer bereit.

Im Herstellungsprozess selbst ist es mir ein persönliches Anliegen, auf die Umwelt Rücksicht zu nehmen und nachhaltig zu produzieren. Das bedeutet für mich, aktive Mülltrennung, Vermeidung von Plastik sowohl im Einkauf, als auch im Versand. Ich recycle soviel wie möglich.

Das Modell 25er Torben ist laut Paul "Flink, Radikal und Unberechenbar". Kostenpunkt: Ab 650 Euro.
Surfboard: Das Modell 25er Torben ist laut Paul „Flink, Radikal und unberechenbar“. 6′ x 20″ x 2′. Kostenpunkt: Ab 650 Euro

Wie gestaltest du die Preise deiner Surfboards und wieviele Aufträge erledigst du im Monat?
Preisgestaltung ist so eine Sache. Da jedes Surfboard individuell ist, gestaltet sich der Preis auch immer anders, richtet sich aber grundsätzlich nach Größe und Design. Da ja alles handgemacht ist, kann ich mit CNC-Shapern kaum mithalten. Der Einstiegspreis für ein auf deine individuellen Wünsche angepasstes Surfbrett liegt bei etwa 650 Euro. Aktuell fertige ich je nach Auftragslage zwei bis drei Boards pro Monat.

Der Einsatzbereich eines Surfboards grenzt mich nicht ein. Es spielt keine Rolle, ob jemand ein Brett für stehenden Wellen/ Indoor-Surfen haben will, oder ob es um die Fertigung einer klassischen Variante geht. Die meisten Boards waren bist jetzt Wakesurfer und Wellenreiter. Ein SUP war sogar auch schon dabei. Wenn ich gerade kein Board produziere, halten mich Repairs auf Trab. Angefangen von Kleinigkeiten bis zu kompletten Refurbishments.

Surfboard: Das Modell Retro Tuna mit viel Volumen & Performance: 6’5″ x 23 1/2″ x 2 5/8″

Wie lange surfst du schon und wer/was hat dich zu Surfer gemacht?
Ich surfe erst seit fünf Jahren. Die Freiheit des Ozeans und der Lifestyle rund um das Thema Surfen hat mich schon immer angesprochen. Ich kann mich mit dem Sport total identifizieren. Da ich eigentlich nie wirklich ein Sportler war, ist Surfen der erste Sport, der mich nachhaltig dazu motiviert hat. Surfen an sich und das ganze Drumherum ist meine Leidenschaft geworden.

Hast du einen Lieblingsspot und wenn ja, was macht ihn so besonders?
Ich habe vor allem eine Lieblingsdestination – Fuerteventura. Dort habe ich damals meine ersten Erfahrungen gemacht. Ich versuche so oft wie möglich dorthin zurück zu kommen. Ansonsten fahre ich auch immer gerne nach Baleal in Portugal. Mit dem Praia Lagide verbinde ich die erste richtig gut gerittene Welle, vielleicht ist das mein Lieblingspot.

Was bedeutet dir Surfen? Was macht für dich den Reiz des Surfens aus?
Surfen bedeutet mir alles. Sich selbst zu challengen, die Natur, die Menschen und das Reisen. Vor allem aber auch das Shapen. Wenn ich in die Garage gehe und mich ans Board mache, fühle ich mich wie an einem Surfspot. Mit dem Surfen verbinde ich sehr viele schöne Gedanken und nur sehr wenig Schlechte. Ich versuche auch durch meiner Bekleidungslinie – Paulsen Apparel, mit fair produzierten und sehr angenehmen Produkten das Feeling des Surfens auf die Haut zu bekommen. Mit der Kleidung möchte ich meine Leidenschaft und den Style mit Geleichgesinnten teilen.

Wie schätzt du den aktuellen Hype um das Thema Wellenreiten ein?

The Darkside: 6’6″ x 21″ x 2 5/8″
Surfboard: The Darkside: 6’6″ x 21″ x 2 5/8″

Ich denke jeder hat mitbekommen, dass der Hype um das Thema Wellenreiten in den letzten zwei Jahren enorm zugenommen hat. Es entstehen beispielsweise immer mehr Landlocked-Wellenprojekte. Wenn man regelmäßig an demselben Surfspot ist, bemerkt man ja wahrscheinlich alleine schon dort Veränderungen – mehr Surfer im Wasser oder neue Surfschulen zum Beispiel. 

Vielleicht ist das aber auch kein Hype mehr, sondern vielmehr neuer Standard. Die Zeiten ändern sich, das mag einigen nicht schmecken, jedoch sollte man mit der Zeit gehen – offen für Neues sein und nicht der Vergangenheit nachtrauern. Hauptsache alle behandeln sich mit Respekt – egal ob an Land oder im Wasser.

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