Auslandspraktikum: Ezy Lima und ihr Sohn für ein halbes Jahr in Mexico

Auslandspraktikum: Wie du Fernreisen mit Kindern meisterst

Einige von euch könnten Isabelly Lima unter dem Namen Ezy Lima durch Instagram kennen. Als Influencerin nimmt Ezy ihre Follower dort regelmäßig in ihren bunten Alltag mit. Wer aber glaubt, darauf ruhe sich die Kölnerin aus, der irrt gewaltig. Denn die 28-Jährige studiert zusätzlich auch noch spanisch und niederländisch auf Lehramt und ist alleinerziehende Mutter. Im vergangenen Semester musste Ezy mehr denn je darauf achten, alles unter einen Hut zu bekommen.

Das verpflichtende Auslandspraktikum stand vor der Tür. Gemeinsam mit ihrem eineinhalbjährigen Sohn Luan packte sie also ihre Sachen und ging für ein halbes Jahr nach Mexiko.Im Gespräch mit Local-Surf berichtet die Halb-Brasilianerin von ihrer Arbeit an einer mexikanischen Schule, spricht über ihre Fernreise mit Kind und taucht mit uns in ihre Welt des Surfen ein. 

Auslandspraktikum mit Kind: Ezy Lima mit ihrem Sohn Luan

Wer steckt hinter Ezy Lima?

Ich würde sagen eine 28-jährige Single-Mom aus Köln, die neben Kind, Uni und Job versucht anderen Menschen zu zeigen, dass das Leben mit all seinen Herausforderungen sehr schön sein kann. Ich möchte den Leuten da draußen, und vor allem Dingen anderen jungen Müttern klarmachen, dass das Leben als junge Frau mit Kind nicht nur Einschränkungen mit sich bringt. Meine Devise lautet: Glücklich sein, als selbsterfüllte Frau und als liebende Mutter.

Auslandspraktikum mit Kind: Ezy Lima mit ihrem Sohn Luan

Du warst ein halbes Jahr in Mexiko. Was hast du dort gemacht? 

Ich habe an einer Oberstufenschule in Puerto Vallarta, einer kleinen mexikanischen Stadt an der Westküste, Deutsch als Fremdsprache unterrichtet und war, wenn es die Zeit zuließ, Surfen. Primär hat mich aber das obligatorische Auslandspraktikum meines Studiums zu der Überlegung gebracht, eine Weile nach Südamerika zu gehen. Diese Zeit wollte ich unbedingt auch damit verknüpfen, das Surfen zu erlernen. Anfangs stand noch Costa Rica auf dem Zettel. Das war allerdings noch vor meiner Schwangerschaft. Als mein Sohn Luan zur Welt kam, war ich kurz davor das Auslandspraktikum in Spanien zu machen. Den Plan habe ich allerdings auch wieder verworfen. Ich hätte dort niemanden gehabt, der auch mal ein Auge auf mein Kind hätte werfen können. Abgesehen davon, dass es mir im Winter zu kalt gewesen wäre.

Als sich im letzten Jahr zwischen mir und einer Kommilitonin eine Freundschaft entwickelte, entstand die Mexiko-Idee. Gemeinsam mit ihrem Freund plante sie damals zur selben Zeit ein Auslandspraktikum in Mexiko. Es bot sich an, mich den beiden anzuschließen. Zu mindestens teilweise. Unsere Auslandspraktika überschnitten sich ein paar Monate. In der Zeit wohnten wir im selben Haus und verbrachten unsere Freizeit zusammen. So einfach kann es gehen. Sieben Monate nach der ersten Idee, saß ich mit Luan im Flieger auf dem Weg nach Mexico.

Ezy Lima während ihres Auslandspraktikums am Strand in Mexico

Was sind rückblickend die Highlights deiner Fernreise mit Kind?

Da gab es jede Menge. Zum Beispiel, dass ich tatsächlich die Möglichkeit hatte, trotz Kind das Surfen zu erlernen und mir mein erstes eigenes Brett kaufen konnte. Rückblickend gehört auch die Arbeit an der Schule zu meinen Highlights. Anfangs war das allerdings nicht so.

Da stellte sich nämlich heraus, dass mein Praktikum daraus bestehen würde, sechs Kurse komplett alleine zu unterrichten. Im ersten Augenblick war das natürlich ein kleiner Schock. Ich erkannte dann aber auch schnell die Chance echte Unterrichtserfahrungen zu sammeln. Ein eher negatives Highlight war die Kindergarteneinführung, denn eine Einführung, wie wir sie aus Deutschland kennen, gab es nicht. Die Tränen meines Sohnes, wenn ich ihn abgegeben habe, waren eine Zeit lang kaum auszuhalten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat er sich dort aber auch wohl gefühlt. 

Ezy Lima und Sohn Luan beim Auslandspraktikum Ann strand von Mexico

Wie bist du bei deinem Auslandspraktikum mit dem Thema Einsamkeit umgegangen?

Einsamkeit an sich, war eher weniger ein Thema. Allerdings das Gefühl des Alleinseins. Es ist ein Gefühl, das in mir schnell aufkommt und schwer zu ertragen ist. Ich habe immer gerne Menschen um mich herum, selbst wenn es nur um gemeinsames Fernsehen geht. Deshalb war ich auch sehr froh, dass ich eine Zeit Weggefährten hatte. Als ich dann aber eine Zeitlang alleine war und nicht gearbeitet habe, war ich schon ziemlich unglücklich. Und dass, obwohl ich meinen Sohn ja immer bei mir hatte. 

Auch wenn du meinen solltest, dass sich das Thema Einsamkeit durch ein eigenes Kind erledigt hat, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass du dich dennoch alleine fühlen kannst. In diesem Fall hat mir nur viel Kontakt in die Heimat geholfen. Solange bis das Auslandspraktikum losging. Das hat mir die Struktur und den nötigen Halt im Alltag verliehen, an dem ich mich gut festhalten konnte.

Ezy Limas Sohn am Strand

Wie sah euer Alltag in Mexiko aus?

Das ist leicht: morgens hat mich Luan zwischen sieben und halb acht geweckt. Dann haben wir erstmal gefrühstückt. Nach dem Fertigmachen ging es für meinen Sohn in den Kindergarten und für mich in die Schule. Da war ich dann bis 16 Uhr. Anschließend habe ich Luan wieder abgeholt. Manchmal sind wir noch einkaufen gegangen, bevor wir dann nach Hause sind. Zuhause haben wir noch zusammen gegessen und um 19 Uhr ging es für den Kleinen ab ins Bett. Dann kam meine Zeit: Schulkram erledigen und/oder Serien schauen. An den freien Tagen, unter der Woche, habe ich Schule gegen Strand und Surfbrett getauscht. Genau wie an den Wochenenden. Dann waren Luan und ich zusammen am Strand. Dort haben wir eigentlich die meiste gemeinsame Freizeit verbracht – dann ging es aber nicht ums Surfen, sondern um Sandburgen.

Ezy Lima mit ihrem Sohn beim Auslandspraktikum Mexico

Wie hat dein Kind das Auslandspraktikum erlebt?

Für Luan war es teilweise sehr gut und teilweise eher nicht so cool. Besonders gut hat ihm gefallen, dass er nicht viel Kleidung an sich tragen musste. Er hasst es sich anzuziehen. Am Strand konnte er immer frei und halbnackt herumtollen. Im Kindergarten hat er viele Kinder kennengelernt, mit denen er spielen konnte. Er musste an fünf Tagen in der Woche für je acht Stunden in den Kindergarten. Das ist viel Zeit. Ich glaube davon wahr er nicht sonderlich begeistert. 

Stell dir vor, Luan könnte schon sprechen und würde zwei Sätze zu eurer Fernreise sagen. Was würde er wohl loswerden wollen?

Mama, ich fand es super cool, dass wir im Warmen überwintert haben. Aber die Sache mit dem Kindergarten hättest du mir ruhig ersparen können. 

Fernreise und Auslandspraktikum mit Kind: Ezy Lima mit ihrem Sohn Luan

Hast du Tipps für Mütter, die eine Fernreise mit Kind oder ein Auslandspraktikum machen möchten? 

Da kommt einiges zusammen: Am besten über Nacht fliegen. Denn sonst kann das für ein Kind anstrengend und langweilig werden und jeder weiß, dass ein gelangweiltes Kind nicht unbedingt das glücklichste ist. Impfungen im Vorhinein mit dem Arzt absprechen und je nach Reiseziel eigene Medikamente mitnehmen. Selbst wenn es eigentlich überall Medikamente gibt, ist es besser eigene Medikamente dabei zu haben, mit denen man umzugehen weiß und dessen Wirkung man kennt. Außerdem immer darauf achten, dass Früchte, Gemüse und Co. vor dem Verzehr mit gefiltertem Wasser abgewaschen wurden.

Zum Thema Surfen: Wie regelmäßig kamst du in Mexiko zum Surfen? Wie hat das Wellenreiten geklappt, wenn du mit Luan am Strand bist?

Ich war zweimal die Woche Surfen. Das waren die beiden Tage, an denen ich frei hatte und Luan im Kindergarten war. Wenn Luan dabei war, klappte es eher weniger mit dem Surfen, da sonst keiner auf ihn aufgepasst hätte. Zu Beginn haben des Auslandsaufenthalts haben das lieberweise mein beiden Freunde übernommen. 

Trotz Auslandspraktikum blieb Ezy Lima noch Zeit zum Surfen

Wie lange surfst du schon und wer oder was hat dich zur Surferin gemacht?

Die Begeisterung fürs Surfen entstand so richtig, als ich in meine damalige WG gezogen bin. Meine beiden ehemaligen Mitbewohner Surfen schon seit über zehn Jahren und deren Brüder betreiben auf Fuerteventura eine Surfschule. Das machte mir den Zugang leicht. Zum ersten Mal stand ich dann Ende 2016 im Fuerteventura-Urlaub auf einem Brett.

Die 10 Jahre Surferfahrung, die ich in meinem Freundeskreis zurückliege, wollte ich aufholen und daher mein Auslandssemester mit Surfen verbinden. Dann kam erst einmal der große Break wegen der Schwangerschaft und dem Baby, sodass das Comeback auf dem Brett erst Ende 2018 hier in Mexiko zustande kam. Der Traum mein Auslandssemester mit Surfen zu verbinden hat dennoch funktioniert – das sogar mit Kind. Und das alles habe ich alles meinen lieben Freunden zu verdanken. 

Aber nicht nur das: Sie waren es auch, die mich auf die Idee brachten, ein eigenes Surfbrett zu kaufen. Vorab stellte sich natürlich die Frage, was für ein Brett für mich in Frage käme. Longboard, Shortboard oder irgendetwas in der Mitte? Welches Brett ist ein gutes Anfängerbrett und welches kann ich noch problemlos nach Hause transportieren? 

Auslandspraktikum: Ezy Lima mit ihrem neuen Surfboard von Azteca Surfboards

Schlussendlich habe ich mir ein 8’0“ Longboard von Azteca Surfboards shapen lassen. Es gab kein Gebrauchtes, das Preis-Leistungsmäßig mit dem Preis eines neuen Bretts von Azteca Surfboards mithalten konnte. Die Bretter wurden in einem Surfshop in Puerto Vallarta verkauft. Mit etwas Zeit und Geduld im Gepäck, bekommst du dort ein individuelles Brett zusammengestellt. Die Wartezeit bis zur Auslieferung lag bei drei Wochen. Das Brett, mit dem ich geübt habe, bevor ich mich mir ein eigenes gekaufte habe, war auch 8’0“ groß. Es kam mir so vor, als ob das eine gute Anfängergröße sei. Außerdem kann ich die Größe noch problemlos per Flugzeug transportieren. 

Was bedeutet dir Surfen? Und was macht den Reiz des Surfens aus?

Ich bin nicht so der Typ, der faul am Strand herumliegen kann. Klar, kann ich das mal machen, aber es langweilt mich schnell. Deshalb wollte ich seit längerem eine Wassersportart lernen, um die Urlaube und Reisen damit etwas aktiver zu gestalten. Surfen eignet sich dafür perfekt. Du bekommst viel Bewegung und bist im Wasser – meinen absoluten Lieblingselement. Schon als Kind wollte ich nie aus dem Wasser kommen. Die Liebe zum Wasser ist sogar so groß, dass ich als junges Mädchen, während eines Herbstspaziergangs am See, zu meinem Vater blickte und sagte ‚Ich kann nicht anders‘ und dann in voller Montur in den kalten See sprang. 

Was mir das Surfen aber wirklich bedeutet, habe ich erst in Mexiko herausgefunden. Es ist für mich eindeutig mehr als nur Sport. Denn Wellenreiten ist der erste Sport, der mich wirklich auf andere Gedanken bringt, wenn ich gefühlsmäßig aufgewühlt bin. Das Paddeln, das Gefühl auf dem Brett dahinzuschweben und das Beobachten der Wellen lenken mich so sehr ab, dass ich mich wie in einer Kapsel fühle. Ganz zu schweigen von dem Feeling, wenn du spürst, dass die Welle dein Brett packt, du aufstehst und du eine Welle reitest. Nur die Wellen, das Brett und du. So viel Ruhe habe ich bis jetzt nirgendswo gefunden.

Auslandspraktikum mit Kind: Ezy Lima mit ihrem Sohn Luan

Wie schätzt du den aktuellen Hype um das Thema Wellenreiten ein?

Witzigerweise war mir nie bewusst, dass so viele Leute surfen, bis ich 2016 auf Tinder unterwegs war und so gut wie jeder Dritte ein Bild mit einem Surfbrett hochgeladen hatte. In einer Welt, in der es zunehmend um Außendarstellung geht, kommt so ein Bild anscheinend gut an. Allerdings ist die Frage, was wirklich hinter solchen Fotos steckt und ob das Interesse am Wellenreiten über den ersten Surfkurs hinaus anhält. Ich persönlich glaube nämlich, dass die Meisten danach das Interesse wieder verlieren. Surfen ist Zeit- und Geldintensiv und das will und kann nicht jeder investieren.

Nach dem Auslandspraktikum geht nun die wellenlose Zeit in Deutschland für dich los. Hast du eine Idee, wie du die Sucht in den Griff bekommst?

Die Pläne sind quasi geschmiedet. Wie erwähnt sind viele meiner Freunde Surfer und die Meisten auch noch Lehrer. Die Ferien werden dementsprechend mit Surfen verplant. Auf die Welle spring ich einfach mit auf.

Ezy Lima und Sohn auf Fernreise in Mexico

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